Reportage oder Inszenierung

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Ich mache in der letzten Zeit verschiedene Trendrichtungen des Bildstiles in der Hochzeitsfotografie aus. Diese scheinen regelrecht miteinander zu konkurrieren. Mehr und meine Gedanken hierzu erfahrt ihr in diesem Blogspot:

Gleich vorweg genommen ist dies durchaus zu begrüßen, da letztendlich hier Brautpaare  durch die Vielfältigkeit voneinander profitieren. Welche Art der Fotografie nun die bessere ist, ist Geschmacksache und darum soll es hier auch nicht gehen.

Meine persönlichen Gedanken dazu schreibe ich zum Schluss.

Was gibt es für Trends in der Hochzeitsfotografie?

Zur Verdeutlichung beschreibe ich an dieser Stelle einmal die Extreme: Der Auftrag eines Hochzeitsfotografen ist es, meiner Ansicht, die Geschichte des Tages zu erzählen.

Nun gibt es die Möglichkeit, diesen Tag wirklich genauso in Bildern zu erzählen, als ob man nicht anwesend wäre. Das heißt, konsequente Reportage. Der Fotograf greift nicht ein in das Geschehen. Er fotografiert sozusagen genauso wie es passiert und ist quasi unsichtbar.

Andererseits mache ich auch den Trend aus, die Hochzeit aktiv mit zu gestalten, durch gezielte Eingriffe um Situationen vermeintlich besser und charmanter aussehen zu lassen. Hierdurch wird der Fotograf teilweise sogar ein Regisseur des Tages.

Ein weiterer Trend: In der Letzten Zeit sehe ich vermehrt eine Stilrichtung, wo die Bilder so aussehen, als ob sie einem Magazin, entsprungen sind. (Editorial-Style). Die Bilder können also der „Vogue“ oder dem „Cosmopolitan“ entsprungen sein. Das Brautpaar wird hier oft sehr cool inszeniert, Die Bilder habe sehr reduzierte und stimmige Farben. Oft wird auch SW verwendet. Die Hochzeiten wirken sehr hochwertig und luxuriös.

Pretty-Shoots versus Storytelling.

Der früher angesagt helle-pastellige Look ist fast vollständig durch den „Magazin“-Look abgelöst. Was früher sehr freundlichen clean aussah, sieht heute sehr cool und farbreduziert aus.

Mein persönlicher Eindruck ist, dass bei der Reportage sich treu geblieben ist. Hier liegt der Schwerpunkt wesentlich mehr auf den besonderen Momenten und auf dem Storytelling.

In der Inszenierung kann ich mir eventuell diese Momente auch „bauen“, vermutlich wird jedoch der Zauber des echten Augenblicks nicht nachzubauen sein. Wiederum andererseits teilweise schon. Auch so bin ich zu meinen Magic Shoots gekommen.

Beispiel First Look, also wirklich erste Begegnung des Brautpaares an dem Tag. Entweder findet dieser vor der Kirche statt, bzw. immer häufiger am Altar. Hier habe ich wirklich die emotionalsten Momente in meinem Hochzeitsfotografen Leben erlebt.

Immer häufiger findet dieser jedoch auch vor der Zeremonie statt und wird ein Programmpunkt des Tages. Meinen wirklich emotionalstes Foto vom First Look war der Moment, als sich das Paar zufällig in einer Tiefgarage begegnete, aufgrund eines Missverständnisses. Nun gibt es sicherlich charmantere Orte. Aber der Blick vom Bräutigam war echt und völlig umgestellt. Dieser Magic Moment war für mich tatsächlich ein sehr einschneidendes Erlebnis und mit ein Grund für meinen Strategiewechsel.

Der Moment als sich das Paar nun wiederum offiziell das erste Mal an der Kirche sah, war auch völlig natürlich. Die Emotionen sind echt. Ichhabe den Bräutigam aber tatsächlich eingeladen, etwas näher zu kommen, damit er seine Braut besser betrachten könne. In Wahrheit hatte ich so die Perspektive für ein besseres Bild. Dieses Bild wurde später in einem Wettbewerb ausgezeichnet. Es wäre möglicherweise nicht entstanden, wenn ich nicht dezent eingegriffen hätte.

Wenn der Fotograf massiv als Dirigent des Tages auftritt, so wird der Tag dadurch geprägt und verläuft unnatürlich. Außerdem würde das wahrscheinlich zu Irritationen führen und der Fotograf auch genau so im Gedächtnis bleiben.

Vermutlich bleibt am Ende des Tages die Erkenntnis dass es zu jedem Brautpaar auch den passenden Fotografen gibt.

meine Sichtweise:

Ich werde den Tag des Brautpaares nicht mitbestimmen und nicht aktiv eingreifen. Im Vorfeld gebe ich schon Tips und sogar auch ein Briefing als Ebook heraus. Das finde ich sehr legitim. Brautpaare sind sehr dankbar hierfür. Den Tag selber nehme ich dann genau so wie er kommt.

Ein paar ganz kleine Einschränkungen: Sollte wirklich neben den Brautschuhen Plastikwasserflaschen oder Lidl-Tüten liegen, so räume ich diese weg. Ich gestalte aber keinen Raum um.

Also ich bringe mich ein für alles, was im Vorfeld zum gelingen der Hochzeit Beiträgt. Ich finde es fast fahrlässig, dies nicht zu tun: Wir Fotografen haben doch bereits viel mehr Hochzeiten miterlebt, als jedes Brautpaar. Weshalb sollte es nicht von unserer Erfahrung profitieren. Am Tag Selber halte ich mich zurück und bin der unwichtigste Mensch an diesem Event. Der große Auftritt kommt dann später bei der Bildübergabe. Das reicht mir.

Je weniger ich eingreife, desto fokussierter bin ich auf die magischen, zufälligen und unplanbaren Momente. Die Anzahl der echten Augenblicke, die ich in den Bildern konserviere steigt enorm an. Auch weil mein Augenmerk zu 100% hierauf liegt. Ich lerne fast schon, in die Zukunft zu schauen und überlege mir, was gleich wohl passieren könnte. Das funktioniert tatsächlich.

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